Möglicher Einsatz von Standortbestimmungen im Unterricht

Auf dieser Seite werden Möglichkeiten zum Einsatz im Unterricht gegeben, und zwar konkret ein Beispiel einer SOB zur Orientierung im neuen Zahlen Raum, Möglichkeiten zur Einbeziehung der Ergebnisse in den Unterricht, Auswertung der Eingangs-SOB und Differenzierungsmöglichkeitenauswertung

 Auswertung der Abschluss-SOB

  • Beispiel zur Orientierung im neuen Zahlenraum

Im Folgenden wird ein Beispiel einer SOB zur Orientierung im Millionenraum für die 4. Klasse dargestellt. Der Einsatz wäre direkt zu Beginn des Schuljahres nach den Sommerferien möglich.

Die Aufgaben wurden gemäß der unter "Hintergrund" beschriebenen Kriterien zur Aufgabenauswahl zusammengestellt. Die vorhandenen Kernkompetenzen sind hierbei das Schreiben von Zahlen (Aufgabe 1), das Darstellen von Zahlen am Zahlenstrahl und das Ordnen von Zahlen nach der Größe (Aufgabe 2 und 8), das Finden von Nachbarzahlen (Aufgabe 3), das Verdoppeln und Halbieren (Aufgaben 4 und 9), das Zählen in Schritten (Aufgabe 5), das Arbeiten in der Stellentafel (Aufgabe 6), das Ergänzen bis Tausend bzw. eine Million (Aufgabe 7) sowie das freie Finden von Aufgaben mit dem Ergebnis eine Million (Aufgabe 10).

Hier sehen Sie die Aufgaben (vgl. Voßmeier 2012):

Abbildung eines Arbeitsblattes mit der Überschrift „Orientierung im Millionraum“. Aufgabe 1: „Zahlendiktat“. Aufgabe 2: „Zahlenreihe“. „A: Ordne die Zahlen ungefähr ein“, darunter Zahlenstrahl in Hunderterschritten bis 1000. „B: Ordne die Zahlen ungefähr ein“, darunter Zahlenstrahl in Hunderttausenderschritten bis 1000000. Aufgabe 3: „Nachbarzahlen. Trage Vorgänger und Nachfolger ein.“ Aufgabe 4: „Verdopple!“. Darunter Tabelle mit „Zahl“ (obere Zeile) und „das Doppelte“ (untere Zeile). Aufgabe 5: „Zähle in Schritten.“ Aufgabe 6: „Wie heißt die Zahl?“, darunter Stellenwerttafel mit Plättchendarstellungen. Aufgabe 7: „A: Immer 1000., B: Immer 1000000.“ Darunter Additionsaufgaben, bei denen der zweite Summand ergänzt werden muss. Aufgabe 8: „Ordne. Schreibe die Zahlen der Größe nach auf.“ Aufgabe 9: „Halbiere!“, darunter Tabelle mit den Zeilen „Zahl“ und „die Hälfte“. Aufgabe 10: „Schreibe viele Aufgaben mit dem Ergebnis 1000000 auf.“

Unter Material finden Sie weitere SOBen zu verschiedenen Themen.

 

Wie können Sie die erhaltenen Ergebnisse in den Unterricht einbeziehen?

Auswertung der Eingangs-SOB

Nachdem die Kinder die SOB bearbeitet haben, können Sie als Lehrkraft die Bearbeitungen auswerten, beispielsweise in Form einer Klassentabelle. So könnte die Tabelle dann ggf. aussehen.

Ausgefüllte Auswertungstabelle der Standortbestimmung zum Zahlraum bis 1000000. (Tabelle mit 12 Spalten und mehreren Zeilen. Spalten von links nach rechts: „Klasse 2, Datum: _, Eingang, Abschluss“, „Zahlendiktat“, „Zahlenreihe“, Nachbarzahlen“, Verdoppeln“, Zählen in Schritten“, „Stellentafel“, „Immer 1000/ 1000000“, „Ordnen“, „Halbieren“, „Freie Aufgaben“. Legende: „plus plus alles richtig, plus fast alles richtig, 0 ok, minus viele Fehler, minus minus alles falsch, nb nicht bearbeitet“.)

Hier sieht man dann auf einen Blick, dass z. B. sehr viele Kinder Schwierigkeiten bei den Aufgaben 4 (Verdoppeln) und 9 (Halbieren) sowie bei der Aufgabe 6 (Stellenwerttafel) haben.
Hierauf sollten Sie daher im Unterricht besonders intensiv eingehen.
So könnten Sie beispielsweise in einer Doppelstunden zur Stellenwerttafel noch einmal intensiv auf die Bedeutung der Spalten eingehen oder materialgestützt mit Anschauungsmaterialien das Bündeln verdeutlichen. Das Verdoppeln und Halbieren sollte auch vertieft nochmal als Wiederholung im kleineren Zahlenraum thematisiert werden, bevor dann auf die Übertragung in den Millionenraum eingegangen wird.
Die Aufgabe 7 ("Immer 1000; immer 1000000") hingegen wurde von allen Kindern bereits jetzt gut gelöst, sodass dies nicht so intensiv thematisiert werden muss.

Außerdem wird ersichtlich, dass Silas bereits zu Beginn des Unterrichtsthemas fast alle Aufgaben richtig gelöst hat. Für ihn wären daher vertiefende Aufgaben sinnvoll, sodass er z. B. an schönen Päckchen im Millionenraum arbeiten könnte. Hendrik und Jannes dagegen haben bei vielen Aufgaben Schwierigkeiten und sollten passende Unterstützung erhalten.

Um die Kinder in den eigenen Lernprozess aktiv einzubeziehen, ist es möglich, beispielsweise einen Arbeitsplan in Bezug auf die einzelnen Kompetenzen zu erstellen, den die Kinder individuell ausgestalten und zwar aufgrund der vorliegenden Eingangs-SOB, die sie selbst korrigieren mithilfe einer vorgegebenen Lösung oder die Sie als Lehrkraft bereits korrigiert haben.

Hier sehen Sie ein Beispiel für einen Arbeitsplan, bei dem sich Aufgaben aus dem vorhandenen Lehrwerk wiederfinden, sodass Sie Ihr vorhandenes Lehrwerk einbeziehen können und nicht zwingend neue Aufgaben erstellen müssen.
 

Abbildung eines Arbeitsplans zum Thema „Orientierung im neuen Zahlenraum bis 1 Million“. Tabelle mit Auflistung entsprechender Übungen und Ankreuzmöglichkeiten „Das möchte ich üben“, „Angefangen an“, „Erledigt“ und „kontrolliert von“. Die Aufgaben sind zu bestimmten Kompetenzen zusammengefasst. Von oben nach unten: „Zahlen lesen und schreiben“, „Zahlen in Schritten“, „Ergänzen bis 1000 bzw. 1000000“, „Zahlen ordnen“, „Stellentafel“, „Nachbarzahlen“, „Zahlenreihe, Zahlenstrahl“, „Verdoppeln und Halbieren“, „Aufgaben erfinden“, „Rechnen mit Stellenwerten“, „Stufenzahlen teilen“, „Zahlen darstellen“, „Zahlen legen mit Ziffernkarten“, „Mitte finden“.


Jennifer hat nun auf Grundlage ihrer Standortbestimmung selbst festgestellt, in welchen Teilbereichen sie Übungsbedarf hat. Diese sehen Sie als rot markierte Bereiche. In diesen Bereichen hat sie sich nun Aufgaben ausgewählt, die sie dann im Unterricht bearbeitet hat. Hausaufgaben hat sie mit blau markiert.
 

Bearbeiteter Arbeitsplan von „Jennifer“, Klasse 4c.


Für Sie als Lehrkraft ist es natürlich auch möglich, Pflichtaufgaben für alle Kinder festzulegen oder jeweils eine Aufgabe mit allen Kindern gemeinsam zu thematisieren. Auch können einige Kinder als Experten für gesonderte Aufgaben fungieren, sodass Sie als Lehrkraft entlastet sind und sich z. B. mehr um einzelne Kinder kümmern können.
 

Differenzierungsmöglichkeiten

Für leistungsstarke Kinder bietet sich durch so eine Vorgehensweise die Möglichkeit, an weiterführenden bzw. Zusatzaufgaben innerhalb des Themas zu arbeiten, während leistungsschwächere Kinder gezielt an den Kompetenzen arbeiten können, die noch nicht so ausgeprägt sind.
 

Auswertung der Abschluss-SOB

Nach Thematisierung der Erweiterung des Zahlenraumes im Unterricht bearbeiteten die Kinder dieselbe SOB noch einmal.
Wiederum können Sie als Lehrkraft die Bearbeitungen auswerten und einen Überblick über die Leistungen Ihrer Klasse erhalten.
Durch Vergleichen der beiden Bearbeitungen können auch die Kinder selbst feststellen, was sie dazugelernt haben und wo noch Schwierigkeiten bestehen. Das kann anhand von Leitfragen geschehen, z. B.:

1.) Guck dir deine Abschluss-Standortbestimmung an. Was kannst du jetzt gut? Was ist noch schwierig?
2.) Vergleiche deine Eingangs- mit der Abschluss-Standortbestimmung. Was hast du dazugelernt?
3.) Schau auf die Smileys. Fallen dir die Aufgaben beim Abschluss leichter als beim Eingang?
4.) Überlege: Was willst du für den Mathetest noch üben?

Hier sehen Sie Jennifers Aussagen zu ihren Bearbeitungen sowie im Hinblick auf die bevorstehende Klassenarbeit:
 

Arbeitsblatt zur Selbstreflexion „Orientierung im Millionraum“ von Jennifer. Frage 1: „Guck dir deine Abschluss-Standortbestimmung an. Was kannst du jetzt gut? Was ist noch schwierig?“, Schülerlösung: „Ich kann: Wie heißt die Zahl, schreibe die Zahl auf, Zahlen in Schritten, Verdopple, Vorgänger und Nachfolger, immer 1000 oder 1000000 und Ergebnisse 1000000. Schwierig sind: Zahlendiktat, Halbiere, Zahlenreihe“. Frage 2: „Vergleiche deine Eingangs- mit der Abschluss-Standortbestimmung. Was hast du dazugelernt?“ Schülerlösung: „Ich habe immer 1000 verbessert und im Zahlendiktat, in Zählen in Schritten, in Verdoppeln“. Frage 3: „Schau auf die Smilies. Fallen dir die Aufgaben beim Abschluss leichter als beim Eingang?“ Schülerlösung: „Bei mir war es beim Abschluss leichter als beim Eingang.“ Frage 4: „Überlege: Was willst du für den Mathetest noch üben?“ Schülerlösung: „Mathebuch Seite 37 Nummer 7.“ (Rechtschreibung angepasst)


Jennifer ist mit Hilfe der Standortbestimmungen in der Lage, ihre Lernfortschritte zu sehen, aber auch ihren Übungsbedarf in Bezug auf die bevorstehende Bewertung im Rahmen einer Klassenarbeit zu erkennen.
Sie könnten nun über Jennifers Fortschritte gemeinsam mit ihr z. B. im Rahmen einer Kindersprechstunde sprechen und ggf. Empfehlungen für die Weiterarbeit formulieren, da ja Jennifer selbst festgestellt hat, dass sie bei der Aufgabe "Zahlen schreiben" und den Aufgaben zur Zahlenreihe und zum Halbieren keine Schwierigkeiten hat, bevor die Kenntnisse dann im Rahmen einer Klassenarbeit bewertet werden.