Lernförderliche Rückmeldung im Unterrichtsalltag 

Um die Frage zu beantworten, wie Formen lernförderlicher Leistungsrückmeldung alltagstauglich in den Unterricht integriert werden können, werden im Folgenden verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten aufgezeigt. 
 
Dabei werden folgende sowohl schriftliche als auch mündliche Formen vorgestellt: 

  • Selbstreflexionsbögen 
  • Briefe und Texte
  • Kindersprechstunde und Kindersprechtag

Kindern sollte es ermöglicht werden, mehr Transparenz über den vergangenen und zukünftigen Lernprozess zu erhalten, um sie dadurch stärker in diesen einzubinden und ihnen zunehmend die Verantwortung für das eigene Lernen zu übergeben, denn „Lernen als Gegenstand des Unterrichts verlangt, dass die Kinder lernen, in zunehmendem Maße über ihr eigenes Lernen nachzudenken, es zu bewerten und selbst zu steuern“ (Sundermann & Selter 2013, S. 42). 

Rückmeldungen von der Lehrkraft zu einzelnen Leistungen, aber auch die zunehmende Kompetenz sich und seine Leistungen selbst einzuschätzen, können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. 

Dies gilt gleichermaßen für die Eltern, durch die kontinuierliche Rückmeldung der Lehrkraft zu dem aktuellen Lernstand, sowie zur Lernentwicklung erhalten sie einen guten Überblick über die schulischen Leistungen des Kindes. Solche Rückmeldungen an die Kinder können ebenso als Grundlage für Elterngespräche genutzt werden. 

Rückmelde- oder Selbsteinschätzungsinstrumente können in jeder Schulstufe eingeführt werden. Zentral dabei ist ein ritualisierter Einsatz. 
 

Selbstreflexionsbögen 

Zwar sind Selbstbeurteilungen zunächst keine Rückmeldungen, zumindest keine durch eine andere Person, sie können aber für die Rückmeldung durch z.B. die Lehrperson wichtig werden, da die Kinder ihre Wahrnehmung ihrer Leistung mit der der Lehrkraft abgleichen können und zunehmend sicherer darin werden, sich selbst einzuschätzen und daraus Konsequenzen für das Weiterlernen zu ziehen (vgl. Hintergrund).

Eine gute Möglichkeit die Selbsteinschätzung einzuführen, ist die Integration der von aufgabenbezogen Selbsteinschätzungen. Selbsteinschätzungen in Zielscheibenform sind für Kinder in der Grundschule intuitiv möglich.
 

Ausschnitt aus einer Standortbestimmung zum Zahlverständnis. Links stehen die bearbeiteten Aufgaben, rechts gibt es eine Selbsteinschätzungsmöglichkeit in Form von Zielscheiben.
Standortbestimmung mit Selbsteinschätzungsmöglichkeit in Zielscheibenform (pikas.dzlm.de/node/808)

Beurteilungsbögen und Selbsteinschätzungsbögen können sich jedoch auch auf übergeordnete Kompetenzenbeziehen. Dies bedarf einer guten Unterstützung und kontinuierlichen Begleitung.

Nachdem die Beurteilungskriterien gemeinsam erarbeitet wurden (vgl. Hintergrund) ist es weiterhin notwendig, die einzelnen Kriterien im Unterricht oder in persönlichen Gesprächen regelmäßig zu thematisieren (vgl. Sundermann & Selter 2013, S. 53).
 

Ausschnitt aus einem Selbsteinschätzungsbogen zu vielen Kompetenzen, die in der Ich-Form formuliert wurden. Rechts gibt es die Antwortmöglichkeiten „Das kann ich super“, „Das ist in Ordnung“, „Das kann ich nicht so gut“, „Das muss ich unbedingt üben“. Darunter hat das Kind geschrieben „Note: 3. Weil ich nicht alles machen kann aber ich finde ich habe Fortschritte gemacht“. (Rechtschreibung angepasst)
Selbsteinschätzungsbogen zu übergeordneten Kompetenzen (aus Sundermann & Selter 2013, S. 68)

 

Briefe und Texte

Eine aufwändigere, aber informativere Form der Rückmeldung sind (ausführliche) Rückmeldetexte an die Kinder. Mit Hilfe einer Kurzmitteilung kann eine wertschätzende Rückmeldung mit gezielten weiterführenden Anregungen versehen werden. 

Eine gute Möglichkeit hierfür sind Haftnotiz-Zettel. Vorteil der Haftnotiz gegenüber einem Eintrag im (Forscher-)Heft / Schülerdokument: Der Kommentar kann nach der Überarbeitung wieder entfernt werden. Das Dokument kann so „unversehrt“ z.B. in ein Portfolio aufgenommen werden (vgl. Abb. 4a). Wesentlich aufwändiger ist ein persönlicher Brief mit persönlicher Anrede und abschließender Grußformel an das Kind (vgl. Abb. 4b). 

Abbildung eines Rückmeldebriefs. Links: Ausschnitt aus einem bearbeiteten Arbeitsheftes zu Mal-Plus-Häusern. Hier wurden die Entdeckungen dokumentiert. Rechts: Rückmeldebrief der Lehrkraft: „Lieber Steffen! An diesem Heft kann man erkennen, dass du ganz viel kannst und ein guter Mathematiker bist! Plusaufgaben fallen dir besonders leicht und du kennst viele verschiedene Rechenwege! Besonders gut gefallen haben mir deine erfundenen Aufgabenpaare bei der Nummer 2 d. Hier kann man sehen, dass du die Aufgabe 2 gut verstanden hast und Beziehungen zwischen Zahlen erkennst, also gut mit Zahlen umgehen kannst. Minusaufgaben kannst du rechnen, wenn du sie untereinander schreibst. Kennst du noch andere Rechenwege? Ich habe dir einen aufgeschrieben. Sieh ihn dir mal an. Die Textaufgaben hast du richtig gelöst! Bei Nummer 7 hättest du noch ausrechnen können, wie viel Geld Julia übrig hat! Deine Frau Mayer“.
Rückmeldebriefe

 

Kindersprechstunde und Kindersprechtag 

Die Kindersprechstunde oder der Kindersprechtag sind wirksame Instrumente, um den Kindern eine lernförderliche Rückmeldung über ihre Lernentwicklung geben sowie ein nächstes Ziel zu benennen (vgl. Sundermann & Selter 2013, S. 20 f.). Darüber hinaus stellen Kindersprechtag oder Kindersprechstunde eine Grundlage dar, zur Reflexion über vergangenes und zukünftiges Lernen anregen zu können.

Ausschnitt eines Vorbereitungsbogens für den „Kinder-Sprechtag“. Tabelle mit 3 Spalten und 11 Zeilen. In den Spalten steht „Darüber möchte ich sprechen“ und „Darüber möchte Frau Sundermann mit dir sprechen“. In den Zeilen: „Blitzrechnen“, „Hausaufgaben“, „Wochenblätter und Wochenpläne“, „Mitarbeit“, „Mein Körperbuch“, Zahlenketten-Forscherheft“, und so weiter. Darunter ist Platz, damit das Kind selbst noch Themen eintragen kann.
Kindersprechtag Gesprächsinhalte
Was im Gespräch angesprochen wird kann sowohl von der Lehrkraft als auch vom Kind festgelegt werden (vgl. Abb. 5). 
Kindersprechtage oder Kindersprechstunden können Kinder dazu anregen über den eigenen Lernstand und den eigenen Lernprozess nachzudenken und so mehr Verantwortung dafür zu übernehmen bzw. die eigene Verantwortlichkeit zu erkennen (vgl. Sundermann & Selter 2013, S. 20 f.).

Organisatorisches
Die Kindersprechstunde kann während des Unterrichts zum Beispiel an einem freistehenden Tisch stattfinden. Während die Lehrkraft und Kind im Gespräch sind, arbeiten alle anderen Kinder an vorher festgelegten Aufgaben. Alle anderen Schülerinnen und Schüler sehen durch ein Schild, dass dieses Gespräch nicht gestört werden darf. Hilfreich ist es, wenn Helferkinder benannt werden, die während der Sprechstundenzeiten den anderen Kindern als Ansprechpartner dienen.
 

Anmeldeformen zur Kindersprechstunde. Links: Foto eines Kindes, dass sich an der Tafel in eine Liste einträgt. Rechts: Abbildung einer „Anmeldeliste für den Kinder-Sprechtag“.
Anmeldeformen zur Kindersprechstunde

Kinder mit Gesprächsbedarf tragen sich auf einer Liste an der Tafel ein. Sollte die Sprechstunde verbildlich sein, hängt die Lehrkraft eine vorgefertigte Liste aus. 
 
In unserem PIKAS-Video erhalten Sie Einblicke in die konkrete Umsetzung im Unterricht. 

Kindersprechtage und Kindersprechstunden bieten gegenüber schriftlicher Rückmeldeformen einige Vorteile (vgl. Sundermann & Selter 2013).

  • Die Vorbereitung ist weniger aufwändig als das Schreiben informativer Rückmeldetexte.
  • Im direkten Gespräch sind die angesprochenen Themen für das Kind häufig leicht verständlich. 
  • Absprachen für die weitere Arbeit können im Dialog getroffen werden.

Die Kindersprechtage oder -Sprechstunden können als Vorbereitung eines Elternsprechtages genutzt werden.