PriMakom_Logo_HD.png

 

Unterricht

Zum Umgang mit Heterogenität - Natürliche Differenzierung im Unterricht

Besonders gut lassen sich die beschriebenen Merkmale im Rahmen substantieller Lernumgebungen realisieren.

Eine Lernumgebung ist „[…] eine flexible große Aufgabe, die aus einem Netzwerk kleinerer Aufgaben besteht, die durch bestimmte Leitgedanken zusammengebunden sind" (Wollring 2008, S. 13).

In der Literatur sind zahlreiche Beispiele veröffentlicht (siehe weiterführende Literatur im Materialteil).
Hier soll zur Illustration nur ein Beispiel beschrieben werden (vgl. PIK AS o. J.a). An diesem Beispiel sollen die Merkmale natürlicher Differenzierung verdeutlicht werden. Da sich vor allem mögliche Reflektionen und die sich daraus ergebende Weiterarbeit sehr stark an den Ergebnissen der Kinder orientieren, ist der im Folgenden dargestellte Verlauf exemplarisch zu verstehen.

Folgende Punkte werden angesprochen:

 

Unterrichtsbeispiel: Umkehrzahlen in einem dritten Schuljahr

Einstiegsaufgabe (Gleiches Lernangebot für alle, niedriges Einstiegsniveau)

Wenn du bei einer Zahl ihre Ziffern vertauschst, erhältst du ihre Umkehrzahl. Die Umkehrzahl von 58 ist 85.
Wähle eine zweistellige Zahl und bilde ihre Umkehrzahl. Ziehe die kleinere von der größeren ab. Rechne mindestens 12 Aufgaben.
Was fällt dir (bei den Ergebnissen) auf?

 

Eigenaktivität
Lösen Sie die Aufgabe selbst.
 

Hinweise zur Umsetzung im Unterricht:

  • Im Kreis werden zunächst einige Beispiele gebildet, damit das Prinzip klar ist (Probehandeln).
  • Die Kinder arbeiten in Einzelarbeit.
  • Die Differenzierung geschieht durch unterschiedlich viele Aufgaben und Unterstützung durch Material.
  • Kinder, die Schwierigkeiten haben, sich im Hunderterraum zu orientieren, können z. B. zunächst nur Aufgaben bilden (vorerst ohne sie auszurechnen), indem sie entscheiden, welche der beiden gebildeten Zahlen größer ist. Dabei kann Material (z. B. Zehnerstreifen und Plättchen, evtl. eine Stellenwerttabelle) eingesetzt werden (Unterstützungsstufe).
  • Um mit den Ergebnissen weiter arbeiten zu können, ist es hilfreich, wenn die Kinder ihre gefundenen Aufgaben auf kleine Klebezettel (Post Its) schreiben.

Dazu gibt es das entsprechende Arbeitsblatt für die Kinder.
Zudem ist eine Zusammenstellung möglicher Entdeckungen (für die ganze Unterrichtsreihe als Übersicht für Sie) zu finden.
 

Austausch ("Soziales Mit- und Voneinanderlernen")

Nun ist es wichtig, die Kinder zu einer Kommunikation über ihre Ergebnisse anzuregen. Methodisch kann dies z. B. durch eine Mathekonferenz (cgl. PIK AS o. J.b) oder eine Weggabelung (vgl. Nührenbörger & Pust 2006) erfolgen. Damit die Zusammenarbeit für die Kinder fruchtbar wird, sollte es einen gemeinsamen Arbeitsauftrag geben:

Vergleicht eure Lösungen und überlegt euch, wie man sie sortieren könnte.

Gemeinsam können die Kinder ihre Klebezettel auf einem Plakat o. ä. sammeln und sortieren. Dabei ist ein erster Austausch über Entdeckungen unerlässlich, da Begründungen für die Sortierungen gefunden werden müssen. Ein Beispiel für erste Schülerlösungen:

Anschließend werden die Ergebnisse der Kinder im Plenum gesammelt und verglichen.

Hier kommt es darauf an, die Ideen der Kinder zu strukturieren, Anregungen zu geben und die Ansätze der Kinder weiterzuentwickeln.
Alle Kinder können zu diesem Austausch etwas beitragen, da sich alle mit der gleichen Aufgabe beschäftigt haben.
Daraus ergeben sich dann weiterführende Fragestellungen, die abhängig sind von den bereits vorhandenen Ansätzen der Kinder.
 

Weiterführende Aufgabenstellungen ("Rampen für Leistungsstarke"; "selbstverantwortete Wahl des Schwierigkeitsgrades")

Die Kinder werden aufgefordert, weiter zu forschen, z. B.:

  • Kann man die Aufgaben sortieren? Was fällt euch auf?
  • Findet weitere Aufgaben mit dem gleichen Ergebnis (Beispiel Ergebnis 9).
  • Findest du eine Regel?
  • ...


Sie können sich eine Übersicht über verschiedene Aufgaben zu den Umkehrzahlen anschauen. Achtung: Das ist kein Arbeitsblatt für die Kinder! Es geht darum, deutlich zu machen, dass unterschiedliche Anforderungsbereiche mit den Umkehrzahlen angesprochen werden können (Hier finden Sie eine  Übersicht über die Anforderungsbereiche).

Eigenaktivität
Versuchen Sie mal, die unterschiedlichen Anforderungsbereiche zuzuordnen.
 

 


Zusammenfassung und weitere Anmerkungen

Die Kinder arbeiten drei bis vier Schulstunden an den verschiedenen Aufgabenstellungen. Immer wieder werden die Entdeckungen der Kinder in einen Austausch gebracht. Dabei stellen die Kinder ihre Ergebnisse z. B. auf Plakaten dar:

Dazu beschreiben sie Gesetzmäßigkeiten:

Damit Beschreibungen dieser Art möglich sind, muss die Sprache der Kinder von Beginn an mitgefördert werden. Dazu bietet es sich an, einen Wortspeicher (vgl. PIK AS o. J.c) einzuführen, in dem wichtige Begriffe und Satzbausteine (siehe auch "Sprachförderung") gesammelt werden.

Im Laufe dieser Einheit wird zwar viel gerechnet, dabei werden aber die Zusammenhänge zwischen Aufgaben in den Mittelpunkt gerückt; es werden Muster entdeckt und besprochen.

Die prozessbezogenen Kompetenzen werden intensiv gefördert und geübt. Und dabei werden - im Sinne der natürlichen Differenzierung - alle Kinder auf unterschiedlichen Niveaus herausgefordert, ohne dass das eine Vereinzelung zur Folge hat. Die Heterogenität der Klasse kann damit als Chance genutzt werden.

Weitere Aufgaben zu Zahlenmustern, mit denen sich ähnliche Aspekte erarbeiten lassen und die die hier erworbenen Kompetenzen weiter ausbauen können, finden Sie bei PIK AS in Haus 7 (z. B. dreistellige Umkehrzahlen, IRI- Zahlen, ANNA- Zahlen).

Weitere Literaturhinweise mit Praxisbeispielen finden Sie auf der folgenden Seite.

 

Hier geht es zurück zum Hintergrund
Hier geht es weiter zum Material

Kurz-URL: 
223