Auch wenn die Bildungsstandards (KMK 2005) lediglich vom Zeichnen sprechen, so ist darunter nicht nur das exakte Zeichnen mit Lineal, Geodreieck oder Zirkel auf einem weißen Blatt Papier zu verstehen, sondern auch das Zeichnen auf Punkte oder Karorastern oder auch das Freihandzeichnen, was in der Literatur auch häufig als Skizzieren bezeichnet wird (Eichler 2014). Dabei werden in der Grundschule vor allem zweidimensionale Zeichnungen von ebenen Figuren oder geometrischen „Kunstwerken“ fokussiert. Das dreidimensionale Zeichnen wird lediglich angebahnt. Aber viele Lehrkräfte fragen sich, warum das Zeichnen in der Grundschule überhaupt zu fördern ist. 

Warum sollten Grundschulkinder geometrisch Zeichnen lernen?  

Das Zeichnen von geometrischen Objekten kann zur Entwicklung von geometrischen Begriffen aber auch der Raumvorstellung beitragen. Umgekehrt sind die Kenntnis geometrischer Begriffe und eine Raumvorstellung Voraussetzung dafür, dass man etwas zeichnen kann. Das Zeichnen und das geometrische (Begriffs-)Wissen beeinflussen sich somit gegenseitig und können nicht getrennt voneinander betrachtet werden.

„Zeichnen zu lernen heißt, nicht nur visuelle Informationen der zu zeichnenden Figur aufzunehmen und eine klare Vorstellung davon zu haben, sondern auch zu wissen und zu verinnerlichen, wie etwas dargestellt werden kann“ (Sitter 2014, S. 28). Durch den ständigen Wechsel von Wiedererkennen und Bennen aber auch Zeichnen von geometrischen Gegenständen, vertieft sich also das Verständnis für diese hinter diesen Gegenständen steckende geometrischen Begriffe.

So ist es für Kinder ggf. viel einfacher, ein symmetrisches Muster in einem Bandornament zu erkennen, als selber ein solches zu entwickeln. Denn das setzt voraus, dass die Kinder sich dem „Bauprinzip“ eines solchen Musters bewusst sind: Es gibt ein Grundmuster, das sich immer wiederholt. 

Aber etwas Zeichnen zu können, umfasst noch weitere Wissensbereiche. Ebenso müssen die Kinder lernen, wie sie geometrische Objekte auf einem Blatt Papier abbilden können („Abbildungswissen“, Franke & Reinhold 2016, S. 326 ff.). Gleichermaßen müssen sie wissen, wie die Zeichnung auszuführen ist, damit die Zeichnung den Gegenstand abbildet („Ausführungswissen“, ebd.). So weiß Marc im Einstiegsbeispiel noch nicht, wie er einen (dreidimensionalen) Würfel auf einem Blatt Papier darstellen kann. Er scheint aber zu vermuten, dass er Kanten schräg zeichnen muss.  

Die Kinder kommen natürlich mit sehr unterschiedlichen motorischen Fähigkeiten und mit unterschiedlichem Abbildungs- und Ausführungswissen in die Schule. Es stellt sich dann die Frage, welches zeichnerische Wissen überhaupt gefördert und gefordert werden soll. Daher werden im Folgenden zunächst die verschiedenen möglichen Zeichengeräte vorgestellt. Anschließend werden die für die Dokumentation der Zeichnung genutzten Zeichenpapiere näher betrachtet.

Welche Zeichengeräte sollten in der Grundschule eingesetzt werden?

Folgende Formen werden laut den KMK Bildungsstandards bedeutsam:

  1. Freihandzeichnen
  2. Zeichnen mit dem Geodreieck und dem Lineal
  3. Zeichnen mit der Zeichenuhr
  4. Zeichnen mit dem Zirkel
  5. Zeichnen mit dem Computer (z. B. geogebra prim)

1. Freihandzeichnen

Die motorischen Fähigkeiten sollen im Unterricht der Grundschule von Anfang an mit gefördert werden. Dazu zählt auch das Anfertigen von Freihandzeichnungen, die vor allem eher skizzenhaften Charakter haben. Die Kinder benutzen also keine weiteren Hilfsmittel zum Zeichnen. Haben Kinder keine Ideen für eine Freihandzeichung, so können Freihandzeichnungen von anderen (fiktiven) Kindern die z. B. vorab von der Lehrperson erstellt wurden, einen Orientierungsrahmen liefern. 

Knackpunkt: Die Kinder müssen verstehen, dass Freihandzeichnungen irgendwann nicht mehr ausreichen. Der Übergang zu exakten Zeichengeräten kann somit erschwert werden: Warum sollen wir nun mit dem Lineal zeichnen? Hier ist es bedeutsam von Beginn an zu verdeutlichen, dass solche Zeichnungen als Skizze dienen und je nach Aufgabenstellung absolut ausreichend sind. Für exakte Zeichnungen braucht man dann aber die Zeichengeräte.

2. Zeichnen mit dem Geodreieck und dem Lineal

Klassische Zeichengeräte haben den Vorteil, dass mit ihnen eine perfekte gerade Linie, rechte Winkel oder Parallelen gezeichnet werden können. Da nicht jedes Kind weiß, wie das Geodreieck oder Lineal zum Zeichnen genutzt werden kann, muss das Zeichnen mit diesen Geräten gemeinsam besprochen werden (z. B. Verbinden von Punkten, Zeichnen von rechten Winkeln und parallelen Linien).

Knackpunkt: Die Benutzung der Zeichengeräte stellt ein Lernprozess dar, so dass anfänglicher Frust bei vielen Kindern durchaus normal ist. Die Kinder müssen lernen, das Zeichengerät mit der Nichtschreibhand so festzuhalten, damit die Schreibhand die Zeichnung durchführen kann. Strategien zur Führung von Stift und Zeichengeräten sollten daher auf jeden Fall gemeinsam besprochen werden. So treffen sich z. B. unsichere Kinder mit der Lehrkraft im Beraterkreis und besprechen gemeinsam, wie mit einem Lineal oder Geodreieck gezeichnet werden kann.

3. Zeichnen mit der Zeichenuhr 

Die Zeichenuhr ist ein in 60 gleich große Abschnitte unterteilter Kreis. Sie kann als Hilfsmittel zum Zeichnen von regelmäßigen und symmetrischen Figuren genutzt werden. Dazu verbindet man Punkte mit gleichen Abständen.

Knackpunkt: Die Zeichenuhr ohne Nummern hat den Nachteil, dass die Kinder unentwegt Striche zählen. Daher sollte die Uhr stets wie ein vollständiges Ziffernblatt einer Uhr ausgefüllt sein (eine Kopiervorlage finden Sie im Materialteil). 

4. Zeichnen mit dem Zirkel 

Auch der Zirkel gehört zu den klassischen Zeichengeräten. Die Kinder sollten bereits in der Grundschule mit dem Zirkel arbeiten, damit der Umgang mit diesem Zeichengerät frühzeitig geübt wird.

Knackpunkt: Auch die Benutzung des Zirkels stellt viele Kinder vor eine große Herausforderung. Die Kinder müssen lernen, den Zirkel mit der Spitze in das Papier zu stecken und nur oben an der Halterung um diese Spitze zu drehen. Diese besondere Art ein Zeichengerät zu führen, sollte daher auf jeden Fall gemeinsam besprochen werden. 

5. Zeichnen mit dem Computer 

Zunehmend werden Computerprogramme entwickelt, mit Hilfe derer die Kinder geometrische Zeichnungen anfertigen können (z. B. geogebra prim). Durch vorprogrammierte Befehle können hiermit mühelos Geraden, Strecken, rechte Winkel, Parallelen, Kreise usw. gezeichnet werden. Der Vorteil ist, dass diese Zeichnungen dynamisch verändert werden können, indem z. B. Punkte gezogen und verschoben werden. Dies ist beim Zeichnen auf Papier nicht der Fall.

Knackpunkt: Zur Benutzung von Computerprogrammen müssen die Kinder bereits die Fachbegriffe wie Parallelen, rechter Winkel ... kennen. Zudem erwecken solche Programme schnell den Eindruck bei den Kindern, das Zeichnen mit dem Stift ersetzen zu können. Doch am Computer einen rechten Winkel zeichnen zu können, heißt noch lange nicht, dass die Kinder verstanden haben, was ein rechter Winkel ist und wie er zeichnerisch auf dem Blatt Papier entsteht.

Auf welchem Zeichenpapier sollten die Kinder lernen zu zeichnen bzw. welche Zeichenpapiere haben dabei unterstützende Funktion?

Nicht nur beim Zeichnen von zweidimensionalen Gegenständen wie Quadrate, Rechtecke etc. können Zeichenpapiere unterstützend wirken. Gerade auch beim dreidimensionalen Zeichnen können sie dazu beitragen nahezu perfekte Zeichnungen von dreidimensionalen Gegenständen zu produzieren. Ebenso können sie helfen, Achsen- und Drehsymmetrien zu erzeugen, wie die folgenden Beispiele zeigen. Dazu werden zunächst folgende Zeichenpapiere vorgestellt:

  1. Karoraster (Kästchenpapier)
  2. Punkteraster (Isometriepapier)
  3. Weißblatt

1. Karoraster (Kästchenpapier)

Das Karoraster bzw. karierte Kästchenpapier der Mathematikhefte bietet den Kindern durch die Parallelen und senkrechten Linien eine gute Orientierung zum Zeichnen von gerade Linien (sowohl von oben nach unten oder links nach rechts aber auch diagonal). So können leicht Rechtecke, Parallelogramme oder auch Trapeze gezeichnet werden. Ebenso kann der Radius beim Zirkel sehr gut mit Hilfe des Karorasters eingestellt werden. 

Knackpunkt: Am Karoraster können manche Figuren nur schwer gezeichnet werden wie z.B. Rauten oder auch gleichseitige Dreiecke. Hierzu müssen die Kinder „zwischen“ die Kästchen zeichnen, was ihnen widerstrebt. Dieses Widerstreben kann aber auch als Anlass genutzt werden, andere Zeichenpapier und vor allem das Weißblatt als universelles Zeichenpapier zu favorisieren. 

2. Punkteraster (Isometriepapier)

Das Isometriepapier – für Kinder besser als Punkteraster zu bezeichnen – besteht aus regelmäßig angeordneten Punkten, eine Kopiervorlage können Sie unter Material herunterladen). Es eignet sich hervorragend zum Zeichnen von schönen (symmetrischen) Mustern, zum Zeichnen von Kreisbildern oder auch zum 3D-Zeichnen von Würfelgebäuden (siehe Kinderzeichnungen).

Knackpunkt: In der Arbeit mit dem Punkteraster verlieren die Kinder leicht den Überblick, welche der vielen Punkte verbunden werden müssen. Allerdings kann aus dicker Pappe ausgeschnittenes Legematerial (Kreise, Dreiecke, Trapeze, Rauten...) auf das Punkteraster gelegt werden und die Kinder umfahren mit ihren Stiften die gelegten Materialien. So Erzeugen sie schöne Muster. Weitere Anregungen zum Zeichnen auf dem Punkterater bekommen Sie im Unterrichtsteil.

3. Weißblatt

Das Zeichnen auf dem weißen Blatt bietet einerseits Freiheiten, da keine Orientierungslinien oder -punkte das Zeichnen einschränken, diese große Freiheit verlangt aber auch oftmals, dass Zeichengeräte genutzt werden sollten – es sei denn, es wird eine Skizze auf dem weißen Blatt gezeichnet.

Knackpunkt: Das Zeichnen auf dem Weißblatt zwingt die Kinder zum exakten Zeichnen. Es sollte daher – zumindest, wenn die Zeichnungen exakt werden sollen – erst nach dem Zeichnen auf dem Karo- oder dem Punkteraster erfolgen. Die Kinder erwerben die Sicherheit mit den Zeichengeräte besser, wenn sie auf Papieren mit Orientierungslinien zeichnen.