Symmetrien in Faltschnitten erfahren

Zum Erwerb eines sicheren Symmetriebegriffs ist weniger ein strenger Lehrgang, sondern vielmehr die Eröffnung vielfältiger Gelegenheiten, in denen die Kinder selbsttätig handeln können, notwendig (vgl. Franke & Reinhold 2016, S. 264).
Anregungen dazu wurden bereits im Hintergrund dargestellt.

Das folgende Unterrichtsprojekt eignet sich für die Klasse 3 oder 4, in der konkreten Umsetzung ist es wichtig, die Vorerfahrungen der Kinder mit Symmetrien zu berücksichtigen.
Dementsprechend kann es sinnvoll sein, evtl. eine Stunde vorher einzuschieben, die sich mit „einfachen“ Faltschnitten beschäftigt (z. B. Glocke, Herz, Tannenbaum). Daraus kann man auch schöne Weihnachtsbaumanhänger machen, wenn man etwas festeres Papier verwendet und jeweils zwei gleiche Figuren an der Faltkante mit der Nähmaschine aneinandernäht.
 

Wir erforschen Faltschnitte  (Klasse 3/4, z.B. zur Weihnachtszeit)
 

Material: buntes quadratisches Papier, Kantenlänge ca. 15 cm
Zeitaufwand: 3-4 Doppelstunden

1. Doppelstunde:

Einstieg (im Sitzkreis)

Es werden unterschiedliche Faltschnitte präsentiert: Was ist das? Wie sind die Figuren entstanden?

Foto eines Faltschnittes aus grünem Papier. Entstanden ist eine Schneeflocken-ähnliche Form.
 
Foto eines Faltschnittes aus orangenem Papier. Entstanden ist eine sternförmige Figur.
 
Foto eines Faltschnittes aus violettem Papier. Entstanden ist ein Quadrat mit einer symmetrischen Musterung.
 

Die Formen werden als Kristall/Schneeflocke, Stern/Blume und Deckchen bezeichnet, der für alle gemeinsame Begriff des Faltschnittes wird eingeführt.

Foto der drei Faltschnitte mit einer Beschriftung. Bei dem grünen Faltschnitt steht „Schneeflocke“, bei dem orangenen Faltschnitt „Stern“ und bei dem violetten Faltschnitt „Deckchen“.
 

Im Kreis wird erarbeitet, dass man Papierquadrate und Schere braucht und wie die Quadrate gefaltet werden müssen.

Als Vorbereitung auf die anschließende Arbeitsphase werden zwei gleiche Quadrate nach Anleitung gefaltet und an beiden der gleiche Schnitt gemacht. Dann wird vermutet, was entsteht und anschließend ein Quadrat aufgefaltet.
Die Ausgangsfigur und die Zielfigur werden benannt und nebeneinander gelegt.

Foto einer Tippkarte zu Faltschnitten. Links klebt ein gefaltetes Blatt mit aufgezeichneten Schnittlinien und rechts die aufgefaltete Form. Darunter steht „Ausgangsfigur“ und „Zielfigur“.
 

Erarbeitungphase

Aufgabe für die Einzelarbeit:
Bastle selbst 3 Faltschnitte. Probiere: Wo musst du schneiden, damit eine Schneeflocke/ein Stern/ein Deckchen entsteht? Welcher Schnitt führt zu welcher Figur? Bewahre alle (auch die „misslungenen“) auf und notiere dir, wie du geschnitten hast.

Anschließend kommen die Kinder in einer Mathekonferenz zusammen und diskutieren ihre Ergebnisse:
Vergleicht eure Faltschnitte. Kann man sie ordnen? Schreibt Basteltipps dazu!

Ausschnitt eines Arbeitsblattes. Überschrift: „Unser Basteltipp“. Darunter ein Kasten mit der Überschrift „Ausgangsfigur“ und ein Kasten mit der Überschrift „Zielfigur“.
Abeitsblatt 1

 


Zeichnet auf, wie man schneidet (AB 1) und welches Ergebnis herauskommt (AB 2). Ihr könnt auch das gefaltete Papier mit dem eingezeichneten Schnitt und ein zweites, auseinandergefaltetes, aufkleben.

Ausschnitt aus einem Arbeitsblatt. Überschrift: „Das haben wir herausgefunden“. Darunter 6 Schreiblinien.
Arbeitsblatt 2

Reflexion

Anschließend werden im Kreis oder als Museumsgang die Ergebnisse präsentiert und besprochen.

Hilfreiche Impulsfragen für die Reflexion: 

  • Wie kann ich vorhersagen, wie der Schnitt in der Ausgangsfigur in der Zielfigur aussieht?
  • Warum ist es wichtig, die Seite zu beachten, an der ich in der Ausgangsfigur schneide?
  • Was entsteht, wenn ich ein Dreieck/ein Rechteck/einen Halbkreis ausschneide? Macht es einen Unterschied, wo ich schneide? Warum ist das so?

Im Laufe der Reflexion werden Begriffe für den Wortspeicher gesammelt und notiert (siehe Abbildung):

Foto eines Plakats mit der Überschrift „Wortspeicher Faltschnitte“. Darauf die Begriffe „Falte das Quadrat/ das Dreieck“, „Ecke auf Ecke“, „gerade“, „diagonal“, „schneide an…“, „der geschlossenen Seite“, „der offenen Seite“, „der halboffenen Seite“, „der Ecke zwischen de _ Seite und der _ Seite“. Daneben jeweils entsprechende gefaltete Figuren.
 
Foto eines Wortspeichers. Begriffe: „ein Viereck“, „ein Drache“, „ein Rechteck“, „ein Quadrat“. Daneben jeweils passende Visualisierungen.
 
Foto eines Wortspeichers. Begriffe: „ein Dreieck“, „ein Halbkreis“, „ein Oval“ mit passenden Visualisierungen.
 

2. Doppelstunde: Erneutes Probieren, Erproben der Tipps der anderen

Arbeitsteilige Gruppenarbeit:
Erstellt eine Anleitung für einen Stern/ eine Schneeflocke/ ein Deckchen.
Findet weitere Basteltipps.

Foto zweier Plakate mit Formulierungshilfen. Links: „Wenn man an der _ Seite ein _ herausschneidet, entstehen in der Zielfigur _ (innen oder außen) _ (Anzahl) _ (Figur).“ Rechts: „Beispiel: Wenn man an der halboffenen Seite ein Dreieck herausschneidet, entstehen in der Zielfigur innen vier Vierecke (Drachen).“
 

 

Mögliche Impulsfragen:

  • Wie musst du schneiden, um ein Loch in der Mitte des Faltschnittes zu bekommen?
  • Wenn du ein Dreieck ausschneidest, welche Figur entsteht dann? Wie oft?
  • Wenn man mit einer Prickelnadel in das gefaltete Papier sticht, wie viele Löcher sind dann in der aufgefalteten Figur? Warum?

 

3. Doppelstunde: Festigen der Erfahrungen durch unterschiedliche Aufgabenstellungen 

  • Zuordnungsübungen: Welche Ausgangsfigur gehört zu welcher Zielfigur? Warum?

  • Schneiden und dann zunächst nicht auffalten, erwartete Zielfigur aufzeichnen, dann vergleichen und Unterschiede beschreiben

  • ​Sprachförderung: Analog zu Architekt und Maurer (vgl. Raumvorstellung): Die Kinder sitzen Rücken an Rücken, ein Kind beschreibt seine Vorgehensweise, das andere Kind faltet und schneidet entsprechend, Kinder vergleichen die Ergebnisse und versuchen, Ursachen für Unterschiede zu finden.

  • Symmetrieachsen in Zielfiguren finden und markieren (Sind alle Faltkanten Symmetrieachsen der Zielfigur? Warum (nicht)?)

  • Weiterführung: Was passiert, wenn man ein weiteres Mal faltet?